Dresden hat sein erstes veganes Restaurant: im Hechtviertel serviert man ethisch korrekte Kost
Natalie Portman ist es, Morrissey auch. Keine Frage, vegan zu sein, hat den Imagewandel von der verschrobenen Lebensweise einer asketischen Minderheit zu einem unter Stars und VIPs angesagten Lifestyle geschafft. Fundis wie Promis eint die Ablehnung jeglicher Nutzung von Tieren und deren Produkten. Wie sieht es unter Dresdens Otto Normalverbrauchern aus? Um das herauszufinden, begaben wir uns in den Anfang August eröffneten Falschen Hasen.
Die Einrichtung erinnert noch an das charismatische Café Crema, dem leider nur eine kurze Lebensdauer beschieden war. Dessen minimalistische-markanter Tresen wurde mit alten Möbeln kombiniert, die nicht unbedingt das Zeug zu Design-Klassikern haben, aber dem Mobiliar der Studentenbuden des Hechtviertels ähneln dürften. Vielleicht einer der Gründe für die Beliebtheit des Lokals unter der überwiegend jungen Klientel. Sie stört sich nicht daran, dass die Höhe der Sofas und der Tische nicht gerade optimal für die Einnahme einer Mahlzeit ist, oder dass die Hintergrundmusik eher punkig schrammelt.
Dass der Laden gut besucht ist, liegt vermutlich am Konzept der Betreiber Pierre Pätzold und Ronny Haase. In der Neustadt und angrenzenden Biotopen gibt man sich zwar gerne umweltbewusst und nachhaltig; allein wenn dies auch seinen Preis haben soll, machen sich schnell Unmut und Unverständnis breit. Damit kalkuliert man hier und bietet großzügige Portionen zu kleinen Preisen. Die hohe Schule veganer Kochkunst überlässt man damit weiterhin der Rivalin Leipzig. Dennoch ist der Schritt vom veganen Cateringservice Garden of Eden (der z. B. auch die Ostrale-Besucher verpflegte) zum eigenen Restaurant ein ambitioniertes Wagnis. Die Standortwahl kündet von Toleranz und wohltuender Ideologieferne, teilt man sich den Sommergarten doch mit dem Kosakenhof, einer Hochburg deftiger Fleischgerichte.
Soljanka steht hüben wie drüben auf der Karte; die vegane wusste sich mit angenehm säuerlicher Note sowie „Soja-Chunks und Seitan-Einlage“ gegen die Konkurrenz zu behaupten. International ging es mit mexikanischen Wraps weiter. Zwei Teigfladen umhüllen ein fruchtig-scharfes „Chili sin carne“ mit Mais und Bohnen. Ein Hauptgericht der Tageskarte veranschaulichte alle Stärken und Schwächen der veganen Küche. Beilage Eins, mit Kräutern der Provence gewürzte Kartoffelspalten, duftete und schmeckte sehr aromatisch. Dagegen fiel Beilage Zwei, fade geratenes Möhrengemüse, ab. Und das Seitan-Geschnetzelte? Geriet, wie so oft bei Fleischersatz, zur Glaubensfrage.
Die einen wissen dessen Konsistenz und Geschmack durchaus zu schätzen. Die anderen finden, vegane Küche sei da am überzeugendsten, wo sie auf Fleisch, und sei es auch nur als Imitat, verzichtet und sich auf den Reichtum von Gemüsen, Kräutern und Gewürzen konzentriert. Dieser Ansatz findet sich beim „Crispy Leek“-Salat, für den in Zitronen-Walnussöl angemachte Lauchkringel mit Kirschtomaten und Walnusskernen kombiniert wurden. Die Köche müssen übrigens über gesunde Kauleisten verfügen, denn die übrige Salatkreation, wie auch die Beilagensalate, enthielten ziemlich rustikal geschnittene Karotten- und Gurkenscheiben. Auf jeden Fall machte das Mümmeln satt.
Zum Nachtisch brachte die charmante Bedienung Plinsen. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die süßen Sojasahnehäubchen obenauf ungute Ähnlichkeit mit Sprühsahne besitzen: auch in der veganen Küche gibt es Tugenden und Untugenden.
Informationen
- Besucht am 6. September 2011
- Ursprünglich am 15. September 2011 im
PluSZ-Magazin der Sächsischen Zeitung erschienen (PDF mit detaillierter Bewertung) - Falscher Hase
- Lage (Google Maps)