Ich möchte an dieser Stelle auf eine Veranstaltung unter meiner Mitwirkung hinweisen, zu der alle Interessierten willkommen sind.
Albertplatz, Hechtviertel, Wilsdruffer Straße: drei Koordinaten, die den Alltag der Künstlerin Katrin Feist umreißen, zugleich aber auch eine Art kreatives Bermudadreieck markieren, innerhalb dessen die Dresdnerin ihre Lebenswirklichkeit aus Wohnen, Broterwerb und künstlerischem Schaffen in eine Kunstwelt übersetzt.
Wer jetzt an zeitgenössische Blicke auf barocke Pracht zwischen Frauenkirche und Brühlscher Terrasse denkt, liegt daneben: Feist wendet sich in ihren jüngsten Stadtlandschaften unverbrauchten Motiven jenseits einer Postkartenromantik zu. Dabei nimmt sie Blickwinkel ein, die durchaus vertraute Dresdner Ecken zugleich fremd und vertraut erscheinen lassen. So zeigte sie sich fasziniert vom monatelangen Umbau des Bahnhofs Neustadt – “unter Lebensgefahr”, wie sie selbst mit trockenem Humor anmerkt, fertigte sie zunächst Digitalfotos der chaotischen Situation vor Ort. Diese dienten als Vorbild für ihre ausschnittshaften Ölgemälde, in denen sie beispielsweise Ampelwälder und Oberleitungsgeflechte einfängt, als sei die Stadt eine einzige “Welt am Draht”. In einer dem urbanen Leben abgeschauten, vorstädtisch-trüben Palette leuchtet das Licht in ihren Bildern matt, so, wie es sich eben für jemanden darstellt, der früh zur Arbeit oder abends auf dem Nachhauseweg die Stadt durchquert.
In interessantem Kontrast dazu stehen die Grafiken, die sie anhand ihren vielen Wanderungen anfertigte. Da leuchtet es schon einmal rostrot zwischen den Tälern des Riesengebirges, wenn sich der Farn im Nebel ihr eben so präsentierte. Mitunter löst sie die dingliche Welt ganz auf; dann werden ihre Bilder zu feinnervigen, energiegeladenen Gespinsten, aus denen ihre keinesfalls esoterische Verzückung über die Natur spricht.
Mit der 1966 geborenen Feist, die seit 1997 als freischaffende Malerin und Grafikerin tätig ist, setzt die Villa Eschebach ihre Förderung lokaler Kunst fort und zeigt eine Auswahl von Werken, die sich radikal dem Alltag zuwenden, ohne dabei den Blick für lyrische, ja spielerische Momente zu verlieren.
Informationen
- Katrin Feist in der Reihe Kunst in der Villa Eschebach
- Ort: Villa Eschebach, Georgenstraße 6 (Am Albertplatz), 01097 Dresden
- Vernissage: 31. Januar 2012, 19 Uhr.
- Einführung: Kathrin Muysers, M. A.
- Musik: Frieder Schmidt (Schifferklavier), Dresden
- Ausstellungsdauer: 1. Februar – 23. März 2012
- Faltblatt (PDF)