Filmkritik: Ein letzter Tango

Volle Dröhnung Tanz

Filmplakat Ein letzter Tango

Ayelen Álvarez Miño (als junge Maria Nieves) und Juan Malizia (als junger Juan Carlos Copes) tanzen eine Hommage an Singin’ in the Rain.

81 – und kein bisschen leise, so ließe sich Maria Nieves charakterisieren, die man getrost als lebende Legende bezeichnen darf. Anhand ihrer Lebensgeschichte schildert der Wim-Wenders-produzierte Film den Siegeszug des Tango über Argentinien hinaus: es waren Nieves und ihr Tanz- sowie zeitweiliger Lebenspartner Juan Carlos Copes, die als Erste den Tango Argentino, wie man ihn in den Bars von Buenos Aires tanzte, für Tanzrevues choreografierten, mit denen die Beiden die ganze Welt bereisten.

Es ist ein Vergnügen, dieser Frau dabei zuzuhören und zuzusehen, wie sie ebenso vernichtende wie versöhnliche Lebensweisheiten über Männer, die Liebe und den Tango mit der Frequenz und Treffsicherheit von Maschinengewehrsalven abfeuert, und bisweilen wünscht man sich, Regisseur German Kral hätte noch mehr der Wirkung seiner Protagonistin vertraut.

Stattdessen entscheidet sich der Film dafür, die komplizierte, Jahrzehnte währende Beziehung von Copes und Nieves anhand schlaglichtartiger, wunderschön in Szene gesetzter Choreografien nachzuzeichnen, die von zwei Paaren unterschiedlichen Alters eindrucksvoll gespielt werden, unter ihnen eigenständige Stars der Tangoszene wie Pablo Veron und Alejandra Gutty. Dass Darsteller und Dargestellte dabei immer wieder gemeinsam in einer Art „Making-of“-Sequenzen auftreten, ist ein hochinteressanter Kunstgriff, macht den Film aber unnötig komplex.

So, wie der Tango als „vertikaler Ausdruck eines horizontalen Verlangens“ die Erfüllung stets hinauszögert, lässt auch der Film bis ganz zuletzt offen, ob es zur (auf Zuschauerseite antizipierten) Wiedervereinigung der zwei stolzen, ja störrischen Tango-Granden zu einem weiteren, „letzten“ Tanz kommen wird.
Für Tangoliebhaber ergibt sich so die volle Dröhnung, nach der man das Kino elektrisiert verlässt. „Normale“ Kinobesucher seien vor drohendem Tango-Overkill gewarnt.

Informationen

  • Ein letzter Tango (Link zur offiziellen Website), Deutschland/Argentinien, 2015, Regie: German Kral, Darsteller: María Nieves, Juan Carlos Copes, Alejandra Gutty, Pablo Veron
  • Ursprünglich in geringfügig anderer Form im DRESDNER Kulturmagazin (Ausgabe 04/2016) erschienen (Link zum Artikel)
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