Dresden isst fantastisch: El Rodizio

Spießr(o)utenlauf im Schlaraffenland

El Rodizio lotet die Grenzen des Hungers und der Selbstbeherrschung aus – und das macht Spaß

Das El Rodizio liegt mitten im touristischen Dresden: Kulturpalast, Schloss, Zwinger und Altmarkt sind jeweils nur einen Steinwurf entfernt. Statt sich in diesem Kontext auf sächsische Küche einzuschwören, hat sich hier eine Erlebnisgastronomiekonzept etabliert, das u. a. bereits in Los Angeles, New York, Hamburg, Berlin und Köln existiert. Dass es sich um ein Franchise handelt, lässt schon die Inneneinrichtung erahnen, die mit allerlei ungewöhnlichen Requisiten ein Ambiente schafft, das zwar nur bedingt authentisch, aber doch exotisch wirkt. Die vielen Tische des großen Gastraums sind anlässlich des All-You-Can-Eat alle besetzt. Zum Glück haben wir reserviert. Schummriges Rotlicht verleiht dem Lokal eine gemütliche Atmosphäre – gut bei intimen Gesprächen, schlecht für Schnappschüsse vom Essen.

Aufgespießt und abgehangen: ein Muss für Fleischfetischisten.

Aufgespießt und abgehangen: ein Muss für Fleischfetischisten.

Hungrige brauchen nicht lange zu warten. Im Nu steht ein großer gemischter Salat auf dem Tisch. Was in der Folge passiert, ist gewöhnungsbedürftig: alle paar Minuten treten Kellner an den Tisch, die jeweils eine Sorte gebratenes Gemüse oder gegrilltes Fleisch anbieten. Das ist einerseits kurzweilig, weil abwechslungsreich. Zudem birgt es den Vorteil, dass alles stets frisch ist, anstatt wie bei herkömmlichen Buffetts stundenlang im Rechaud zu verköcheln. Allerdings läuft man auch Gefahr, die „Stopp!“-Signale des Körpers zu ignorieren, wenn ständig neue Leckereien beinahe wie im Schlaraffenland auftauchen.

Mein Notizbuch liest sich wie das Protokoll eines mittelalterlichen Gelages: Schweinebauch, Ochse, Lamm, Hähnchen, Schwein mit Käse und Speck, Pute, Würstchen … Dazu passen auch die martialisch aussehenden, glänzenden Spieße, an denen das Fleisch zuvor unterm Grill rotierte und von denen direkt bei Tisch abgesäbelt wird. El Rodizio ist also die (angeblich) mexikanisch-brasilianisch-portugiesische Spielart dessen, was man hierzulande als Döner kennt, außer dass statt der Rotkraut-Weißkraut-Beilage eben buttrige Maiskolbenstücke auf panierte Zucchinischeiben, grüne Speckbohnen auf schwarzes Bohnenmus folgen.

Zum Glück gibt es ein rot-grünes Staffelholz, mit dem man nach Art einer Ampel der Servierwut wenigstens temporär Einhalt gebieten kann – bis man zufällig den nächsten Spieß aus dem Augenwinkel erhascht … Erst ein Stück gegrillte Ananas, ebenfalls erdolcht, markiert den Schlusspunkt unserer „Tortur“.

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