Dresden isst fantastisch: Schlossrestaurant Moritzburg

Moritzburger Moderne

Statt auf Märchen verlässt man sich im Schlossrestaurant auf zeitlose Tradition

Tief verschneit und festlich erleuchtet: so ging Schloss Moritzburg als Kulisse von Drei Haselnüsse für Aschenbrödel in die Filmgeschichte ein. An dem Februarabend, als wir die breite Rampe hoch schreiten, liegt kein Schnee, und unser Ziel ist nicht der berühmte Ballsaal, sondern der rechte Seitenflügel, der das Schlossrestaurant beherbergt.

Mit der Wiedereröffnung im Jahr 2013 widerfuhr diesem seine gelungene Modernisierung. Motivtapeten in edlem Rot, glitzernde Kronleuchter und altmeisterliche Stillleben zitieren barocke Pracht, ohne in Kitsch abzugleiten. Grau bespannte Stühle und hohe Flügeltüren im selben Ton sorgen für einen bildschönen, zeitgemäßen Farbkontrast. An den großen Gastraum schließen sich eine fast schon mondän zu nennende Bar sowie drei im südöstlichen Turm gelegene Separees für geschlossene Gesellschaften an.

Im Moritzburger Schlossrestaurant trifft barocke Pracht auf moderne Eleganz. Fotos: Kathrin Muysers

Im Moritzburger Schlossrestaurant trifft barocke Pracht auf moderne Eleganz. Fotos: K. Muysers

Wir sitzen noch nicht lange, da steht auch schon ein Brotkorb mit leichtem Tomatendip vor uns. Auf diesen folgt wenig später Altdresdner Brotsuppe, die mit einer kross gebratenen Speckscheibe garniert ist. Mag das Rezept in ärmeren Zeiten der Resteverwertung gedient haben, passt es mit seinem herzhaften Charakter (man denke sich eine Art Linseneintopf ohne Hülsenfrüchte) nach wie vor bestens in die rustikalen Mauern. Beim Plausch mit der freundlichen Bedienung erfahren wir Interessantes über das alte Gemäuer und dessen logistische Herausforderungen an einen zeitgemäßen Restaurantbetrieb.

Wie sich herausstellt, hat in unserer Verköstigungsrunde noch niemand jemals Fasanenbrust gegessen, aber wo, wenn nicht in einem Jagdschloss, böte sich die perfekte Gelegenheit für diese Erfahrung? Das Fleisch des Hauptgangs kommt rosafarben an den Tisch; die zarten Stücke lassen sich mühelos zerteilen. Einhellig sind wir der Meinung, dass wir bei einer Blindverkostung nie auf Geflügel getippt hätten – kein Wunder, schließlich besitzt Wildgeflügel eine ganz eigene Note. Glasierte rote Weintrauben setzen hierzu einen farblich wie geschmacklich perfekten Akzent – ebenso simpel wie ungewöhnlich und durchaus eine Inspiration für den heimischen Herd. Als Beilage werden Thymiankartoffeln gereicht: kleine, halbierte Knollen, die in der Schale auf einem Blech gegart wurden und sich in ihrer Bodenständigkeit angenehm zurückhalten. Das milde Rahmsauerkraut überrascht mit seiner feinen Butternote. Als Weinbegleitung empfiehlt das Restaurant hier einen Rosé vom Schloss Proschwitz.

Da unsere Runde jedoch neben Autofahrern und einer Schwangeren aus bekennenden Biertrinkern besteht, werden statt dessen urige Pokale hellen und dunklen Gerstensaftes kredenzt. Kein Wunder – Meissner Schwerter ist nicht nur Sachsens älteste Privatbrauerei, sondern auch Betreiber des Schlossrestaurants. Die Herren scheinen es wohl zufrieden.

Das Dessert lässt erneut die Handschrift einer Küche erkennen, die sich nicht in Schnickschnack verliert, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Ein solch ausgewogenes Schokoladen-Haselnuss-Parfait bekommt man nicht aller Tage serviert. Orangenfilets, Birnenspalten und ein Soßenspiegel aus der in Sachsen im großen Stil angebauten Aroniabeere sorgen für einen säuerlich-fruchtigen Frischekick, zu der sich die empfohlene Traminer Spätlese „Radebeuler Goldener Wagen“ des Sächsischen Staatsweingutes Schloss Wackerbarth sicher gut gemacht hätte.

Zufrieden treten wir in die Nacht hinaus. Für einen Abend haben wir eine Ahnung bekommen, wie man königlich speist.

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