Dresden isst fantastisch: ROSSINI im Hilton

Komposition für einen Komponisten

Das ROSSINI im Hilton lädt in die Hall of Fame der italienischen Küche

Vornweg ein Geständnis. Auch Kritiker landen bisweilen im Fettnäpfchen, selbst wenn die Küche gar keines serviert. Zum Glück lassen sich heutzutage blinde Flecken der kulinarischen Bildung dank Smartphone, Wikipedia und Bildersuche schon bei Tisch korrigieren. So kürzlich geschehen angesichts eines Hauptgangs, hinter dem ich eine allzu gewagte Eingebung der Küche vermutete, ohne zu wissen, dass es sich um einen altehrwürdigen Klassiker handelte.

Doch der Reihe nach. Wir befinden uns im Restaurant Rossini, im ersten Stock des Dresdner Hilton-Hotels. Der spektakuläre Blick auf den umgebenden Neumarkt mit der Frauenkirchen-Silhouette bietet den recht kühn geratenen Mustern des Teppichs und der Vorhänge die Stirn.

Rossini oder die beinah mörderische Frage, wie man das alles schaffen soll …

Rossini oder die beinah mörderische Frage, wie man das alles schaffen soll …

Zweierlei Mousse von Roter Bete und Rauke an Salatblatt und Strudelteigcracker stellt eine modern-rustikale Begrüßung dar. Ebenso eine grüne Tapenade, aus der man Oliven und Artischocken zu schmecken meint.

Frischkäse-Parmaschinken-Röllchen sehen appetitlich aus, doch leider beeinträchtigt die eiskalte Temperatur der Füllung das typische, mild-würzige Aroma und die mürbe Konsistenz des Prosciutto. Dafür ist die restliche Vorspeise eine solide Zusammenstellung mediterraner Grillgemüse auf einem Bett aus knackiger Rauke. Über den Teller verstreute Mini-Croutons besitzen keinen Mehrwert; dafür erfreut eine prächtige essbare Blüte das Auge.

Zurück zum eingangs erwähnten Missgeschick. Beim Anblick des Hauptgerichts wittere ich spätrömische Dekadenz. Denn wie hier diverse Delikatessen aufeinander getürmt sind, mutet auf den ersten Blick außergewöhnlich an. Der Stapel aus gebuttertem Toast, handballendickem Rinderfilet, einer Scheibe kurzgebratener Gänsestopfleber sowie Trüffelspänen ließe sich als „Burger de Luxe“ umschreiben. Tatsächlich handelt es sich trotz des Namens – Filet Rossini – nicht um eine Eigenkreation des Restaurants, sondern um eine recht buchstabengetreue Interpretation der „Tournedos Rossini“, welche einst ein französischer Spitzenkoch zu Ehren des Komponisten Gioachino Rossini ersann. Folgerichtig wird mein Begleiter flugs zur diebischen Elster, als er mich bei halbvollem Teller schwächeln sieht. Kein Wunder: das quasi zum Wahrzeichen des Hauses erkorene Fleischgericht ist mit bestechender Präzision zubereitet, bis hin zur tiefdunklen Madeirasauce.

Das Tiramisu wirkt dank dezenter Zitronennote überraschend leicht; kleine Würfel aus erstarrter Kaffeeessenz spielen mit einer der Hauptzutaten. Der Service ist tadellos; unter den Weinempfehlungen sollte man sich vor allem die 2012er Riesling-Spätlese aus der Ersten Lage „Kloster Heilig Kreuz“ von Schloss Proschwitz nicht entgehen lassen.

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