Dresden isst fantastisch: Romantik-Hotel „Deutsches Haus“, Pirna

Drei Engel für Pirna

Im Romantik-Hotel „Deutsches Haus“ Pirna wird regional gekocht und französisch getrunken

Bereits mit seinem Namen legt das Pirnaer Romantik-Hotel „Deutsches Haus“ die Messlatte hoch. Um die in Aussicht gestellten Gefühlswallungen angemessen würdigen zu können, sollte es also schon die Herzensperson des Vertrauens sein, die einem Gesellschaft leistet. Das für „Dresden isst fantastisch“ erdachte Menü wurde interessanterweise gemeinsam mit dem einzigen französischem Winzer mit eigenem Weinberg in Sachsen entwickelt (nein, sein Name wird noch nicht verraten) und zu Ehren seiner typischen Flaschenetiketten (Achtung, Hinweis!) „Ein Engel für Pirna“ getauft. Die feinen Tropfen zugunsten der Verkehrstüchtigkeit nicht zu kosten, hieße ja, dem Engel die Flügel zu stutzen, weswegen mein Mann und ich uns für einen kleinen Ausflug mit der S-Bahn entschieden. Klappte prima.

Das sogenannte „Deutsche Haus“ in der pittoresken Pirnaer Altstadt hieß schon so, als ein Vorfahre der heutigen Wirtsfamilie Riedel es vor über 90 Jahren erwarb. Seine Geschichte als Wirtshaus ist sogar bis ins Jahr 1870 verbürgt. Gäste treten damals wie heute durch ein lokaltypisches Sitznischenportal des Renaissance-Bildhauers Wolf Blechschmidt, der dieses Haus Mitte des 16. Jahrhunderts bewohnte. Der imposante Rundbogen findet sich im Gastraum als Motiv auf Teller, Tischdecken und Kissen wieder. Die Holzverkleidung an den Wänden deutet mit geschnitzten Weinreben darauf hin, dass das Lokal das Prädikat „Besonders empfohlen an der Sächsischen Weinstraße“ trägt. Wir sind also in mehrfacher Hinsicht gespannt.

Noch vor dem Essen begeistert uns, dass ein für Gourmets wie Weinliebhaber absolut lesenswertes Manifest über die Gedankengänge des Winzers Frédéric Fourré und Chefkochs Sven Petzold informiert, die im Engel-Menü mündeten, nachdem ein halbes Jahr lang getüftelt und wieder verworfen wurde.

Wein in der Suppe und Bonbons zu Fleisch – erlaubt ist, was schmeckt. Fotos: K. Muysers/J. Klein

Wein in der Suppe und Bonbons zu Fleisch – erlaubt ist, was schmeckt. Fotos: K. Muysers/J. Klein

Die Mühe hat sich gelohnt, wenn man von der Vorspeise auf kommende Dinge schließen darf. Denn mit dem „Rahmsüppchen vom Ziegenfrischkäse mit Müller-Thurgau“ beginnt zum ersten Mal in diesem kulinarischen Wettbewerb die Speisenfolge mit einer Suppe. Und was für einer: samtig und fast schon süffig, sorgen frische Thymianblättchen für Schmiss. Zum Glück landet der Wein nicht nur im Teller, sondern auch im Glas, wo seine Säure gute Dienste als Essensbegleiter leistet.

Der Bachforelle geht der unwiderstehliche Duft frisch gebratenen Fischs voraus. Unbedingt vor dem Kosten schnuppern! Sogar die krosse Haut des butterzarten Filets ist eine Delikatesse, akzentuiert von scharfer Rauke und süßem Kerbel. Die von mildem Bärlauchpesto umhüllten Bandnudeln freuen uns besonders, schätzen wir doch die Erzeugnisse der nahe gelegenen Wehlener Pasta-Manufaktur, welche – wie auch jeder andere im Menü verwendete Hersteller – ganz im Sinne der Initiative „Gutes von hier“ im Faltblatt explizit ausgewiesen wird. Fourrés 2013 Weißburgunder ergänzt den Gang um nussige Noten.

Der Saft der rosa gebratenen Tournedos vom Rind vermischt sich beim Anschneiden der Filets mit dunklem Bratenfond zu einer herzhaften Melange, die man mithilfe kleiner Steinchampignons wieder und wieder aufstippen möchte. Das Kartoffel-Bonbon von der Größe einer Frühlingsrolle entpuppt sich als Püree in Filo-Teig, welcher Einflüsse der französischen Küche verrät. Hierzu wird aber kein Franzose, sondern ein wohlschmeckender Spätburgunder der Meißner Winzergenossenschaft ausgeschenkt.

„Schägge im Näbbel“, allein die Worte stimmen uns heiter – oder liegt es am mittlerweile vierten Gläschen Wein? Beim Fourré’schen Cuvée sorgt der Rieslinganteil nach den mächtigen Apfel-Beignets für Frische am Gaumen, während Tramineraromen den zu Eis verarbeiteten Rosen aus dem Innenhof des Anwesens ein zweites Aufblühen schenken. Das finden wir, ganz ehrlich, ziemlich romantisch.

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