Frage an die Leser: Welche Version stimmt?

Foto: Chris Cactus, ohne Titel, 2005.

Foto: Chris Cactus, ohne Titel, 2005.

[Quelle: Rude Cactus.]

Momentan lektoriere ich einen autobiographischen Text, in dem ein Sohn vom frühen Tod des Vaters berichtet. Im betreffenden Satz hänge ich an einer Formulierung und bitte um die Meinung und Ratschläge meiner Leser. Wie lautet es richtig?

  • Meinem Vater war es nur einmal vergönnt, mich in Händen zu halten, ehe er im Krieg umkam.
  • Meinem Vater war es nur einmal vergönnt, mich in den Händen zu halten, ehe er im Krieg umkam.
  • Meinem Vater war es nur einmal vergönnt, mich in seinen Händen zu halten, ehe er im Krieg umkam.

Falls Sie geneigt sind, mir zu antworten, bitte ich idealerweise um Begründungen für Ihre Entscheidung, die über „es klingt besser“ und „mein Bauchgefühl sagt mir“ hinausgehen. Auch mein Sprachgefühl suggeriert mir eine Lösung vor allen anderen, doch würde ich diese gerne gegenüber meinem Auftraggeber begründen. Hier liegt aber der Hase im Pfeffer: ich habe bisher keine Regel finden können, die meine bevorzugte Variante unterstützte.

Um Sie nicht zu beeinflussen, warte ich mit meiner Begründung noch bis morgen. Falls Sie sich nicht in den Kommentaren äußern möchten, freue ich mich auch über E-Mail an sprache[at]translarte.de. Vielen Dank für Ihre Hilfe.

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9 Kommentare zu Frage an die Leser: Welche Version stimmt?

  1. Theresa sagt:

    Vielleicht ja eher: …mich im Arm zu halten?
    Das erscheint mir schlichtweg passender für einen Säugling und umgeht das beschriebene Problem elegant. ;-))

  2. Theresa sagt:

    Ich habe gerade nicht so recht den Kopf frei, aber vielleicht ein paar kurze Gedanken dazu. „Etwas in Händen halten“ wird m.E. eher für immaterielle Güter wie einen Sieg, einen Preis oder eine Trophäe verwendet. Insofern wäre es für ein Kind unpassend. „In den Händen halten“ klingt auch eher unpersönlich, also allenfalls wäre ich für „in seinen Händen halten“. Aber „im Arm“ finde ich bei einem sehr kleinen Kind trotz allem realitätsbezogener.
    Nicht wirklich eine überzeugende Begründung, aber vielleicht eine Spur…

  3. Lydia sagt:

    Wahrscheinlich ein bisschen zu spät – ich sollte öfter mal hier vorbeischauen 😉

    Mein Stilduden kennt „etwas in Händen halten“ als „über etwas verfügen“. Das scheint mir hier nicht gemeint. „In seinen Händen“ würde auch ich vor „in den Händen“ vorziehen, da ein Pronomen persönlicher klingt als ein Artikel. Noch treffender fände auch ich „in seinen Armen halten“, aber auf jeden Fall würde ich hier beim Plural bleiben. Oder wie soll ich mir das vorstellen, ein kleines Kind mit einem Arm zu halten? Wie eine Schultasche???

    Vielleicht wenn diese erste und letzte Begegnung kurz nach der Geburt stattgefunden hat, könnte man doch von „seinen Händen“ sprechen. Ein so ganz kleines Kind kann ein Mann mit großen, kräftigen Händen vielleicht sprichwörtlich in seinen Händen halten.

  4. dd-jazz sagt:

    Leider verschleppschaltet:
    Ich favorisiere „in seinen Händen…“, da es die persönliche Situation betonend unterstreicht und “ in den Händen“ allgemeingültig wirkt.
    Wofür wurde entschieden?

    • Muyserin sagt:

      Ich entschied mich in Absprache mit dem Autor für „in seinen Armen“.

      Vielen Dank für alle Kommentare. Ich bitte um Nachsicht, dass es mit einer Antwort so lange gedauert hat.

  5. Mark Schreiber sagt:

    „In Händen halten“ ist sowieso ein sehr seltsamer Ausdruck, generell. Das Fehlen des Bezugs zur Person, deren Hände etwas halten, sollte m. E. immer gegeben sein. Die Phrase ist aber vielleicht nur Teil der teilweise m. E. überstilisierten deutschen Sprache. Was besonders irritiert: trotz der teilweise unheimlichen Verklausulierung von Sachverhalten wird die mündliche Aussprache immer schlechter, selbst im öffentlich-rechtlichen TV (Wörter wie Ausschuss werden schnell mal zum Au-schuss, auf -er endende Wörter werden zu -a Endungen verunstaltet (voll Hamma! 😉 etc., etc.). Für jemanden, der sich beruflich mit Sprache und Literatur beschäftigt, ist so was nur schwer zu ertragen. Ich habe das Gefühl, die Deutschen wollen „intellektuell“ klingen, kriegen es aber nicht mehr wirklich hin. Schade, eigentlich! Nun gut, ich schweife aus 😉
    Und ja, ich bin selbst Deutscher (nur wegen der österreichischen Email-Adresse 😉

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