Von der Leichenbeschau zum Public Viewing

Die Überschrift soll beileibe kein schlechtes Omen sein: Während ich dies tippe, kämpfen auf dem anderen Monitor „Jogis Löwen“ um den Dritten Platz. Eine schöne Neuschöpfung, dieser Beiname, nicht? Ich sage das, um klar zu stellen, wie sehr mich neue Wörter begeistern. Ebenso begeistert war ich auch in diesem Jahr von den Deutschen – nein, nicht nur der Fußball-Nationalmannschaft, sondern auch den Menschenmassen, die beim öffentlichen Fußballgucken Freud und Leid über das Schicksal unserer Elf miteinander teilten.

Dass sich dafür aber der Begriff Public Viewing etabliert hat, ist schade. Denn ursprünglich bezeichnete er die Praxis einer Leichenbeschau. Eine makabere Assoziation! Dafür gäbe es plausible, griffige, saloppe Alternativen (gefunden beim Verein Deutsche Sprache e. V.):

  • Freiluftfernsehen
  • Fußballkino
  • Straßenkino
  • Ö-TV
  • Rudelgucken

Die „Kulisse“ hinter der Filmnächte-Leinwand am Dresdner Königsufer ist ja immer wieder so schön, dass der Begriff vom Fußball-„Kino“ nicht zu hoch gegriffen scheint. Und nicht nur das Spiel Deutschland-Argentinien war ja großes Hollywood.

Vier Jahre haben wir zur nächsten WM Zeit: unsere Wunden zu lecken, uns der Spielfreude unserer jungen Mannschaft zu erinnern – und vielleicht, hoffentlich, bitte! auch noch einmal den Begriff des Public Viewings zu überdenken.

– Jetzt aber! Anpfiff zur zweiten Halbzeit. Auf ein letztes „SCHLAAAND!“

Nachtrag: Deutsch-Expertin Dagmar Verena Jenner gibt Rechtschreibtipps rund ums runde Leder:

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3 Antworten auf Von der Leichenbeschau zum Public Viewing

  1. Franz Hose sagt:

    Ich wage es nicht, zum Sorgentelefon zu greifen, deswegen hier die Frage: müßte es “Vulvazähler” oder “Vulvenzähler” heißen? Nur ersteres ergibt natürlich im aktuellen Kontext einen Sinn, zusammen mit “pubic viewing”.

    Verschämte Grüße
    Franzl

    PS: http://www.lamebook.com/wp-content/uploads/2010/07/topicalj2.png

  2. Dieser xkcd-Cartoon passt auch noch ganz hübsch dazu.

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